Raumklima messen bedeutet, die physikalischen Größen zu erfassen, die die Luftqualität und den Feuchtezustand eines Raumes bestimmen: Temperatur, relative Luftfeuchte, absolute Luftfeuchte, Taupunkt und CO₂-Konzentration. Nur wer misst, erkennt Schimmelrisiken früh, belegt die Ursachen von Kondensation und sichert die Wirkung von Lüftungs- und Heizmaßnahmen. Diese Fachseite erklärt jede Messgröße, die geeigneten Messgeräte und Datenlogger, die ausreichende Messdauer und die richtige Interpretation – mit Diagrammen, Praxisfällen, Checklisten und ausführlichen FAQs.
Die fünf Messgrößen des Raumklimas
Das Raumklima wird durch fünf Größen beschrieben, die zusammen ein vollständiges Bild ergeben. Keine einzelne Größe reicht aus – erst die Kombination sichert eine zuverlässige Beurteilung.
Temperatur
Einheit: °C · Ideal: 18–22 °C
Luft- und Oberflächentemperatur. Für die Schimmelbeurteilung ist die Oberflächentemperatur entscheidend.
Relative Luftfeuchte
Einheit: % r.F. · Ideal: 40–60 %
Anteil der in der Luft enthaltenen Feuchte am Maximum bei aktueller Temperatur.
Absolute Luftfeuchte
Einheit: g/m³ · Ideal: 7–10 g/m³
Tatsächliche Wassermenge in der Luft – unabhängig von der Temperatur.
Taupunkt
Einheit: °C · Ideal: < Oberfläche
Temperatur, bei der Kondensation beginnt. Kerngröße der Schimmelbeurteilung.
CO₂
Einheit: ppm · Ideal: < 1000 ppm
Indikator für Luftqualität und Luftwechsel. Hoch = unzureichendes Lüften.
Temperatur
Die Temperatur ist die Grundgröße des Raumklimas. Für Wohnräume gelten 18–22 °C als optimal: 20 °C im Wohn- und Kinderzimmer, 18 °C im Schlafzimmer, 22–24 °C im Badezimmer. Wichtig ist eine gleichmäßige Beheizung aller Räume (mind. 18 °C, auch bei Abwesenheit), damit warmfeuchte Luft nicht in kalte Räume strömt und dort kondensiert. Die Lufttemperatur wird mit Thermometer oder Datenlogger gemessen, die Oberflächentemperatur – entscheidend für die Schimmelbeurteilung – mit der Infrarot-Thermografie.
Warum ist die Oberflächentemperatur wichtiger als die Lufttemperatur?
Schimmel entsteht durch Kondensation: Sinkt die Oberflächentemperatur einer Außenwand, Ecke oder Fensterlaibung unter den Taupunkt der Raumluft, kondensiert Feuchtigkeit. Die Lufttemperatur allein sagt nichts über das Kondensationsrisiko. Bei 20 °C und 60 % r.F. liegt der Taupunkt bei ca. 12 °C – jede Wandfläche unter 12 °C kondensiert. Die Infrarot-Thermografie erfasst die Oberflächentemperatur flächig und macht Wärmebrücken sichtbar.
Relative Luftfeuchte
Die relative Luftfeuchte (r.F.) gibt an, wie viel Wasser die Luft im Verhältnis zur maximal möglichen Menge bei der aktuellen Temperatur enthält – in Prozent. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte. 50 % r.F. bei 20 °C bedeutet: die Luft enthält die Hälfte der maximal möglichen Wassermenge. Die relative Feuchte ist temperaturabhängig: kühlt Luft ab, steigt die relative Feuchte (bei gleicher Wassermenge), bis bei 100 % der Taupunkt erreicht ist und Kondensation einsetzt.
Welche Werte sind ideal?
Ideal sind 40–60 % relative Luftfeuchte. Unter 30 % trocknen die Schleimhäute, über 60 % steigt das Schimmelrisiko, über 70 % ist es kritisch. Im Winter sollte wegen kalter Außenwände eher 40–50 % angestrebt werden. Die relative Feuchte wird mit Hygrometer oder Datenlogger gemessen – kalibrierte kapazitive Sensoren sind am genauesten.
Diagramm: Relative Luftfeuchte über Tage mit Lüftungsereignissen
Die relative Luftfeuchte pendelt im Verlauf über Tage. Ohne Lüften steigt sie über 60–70 % (kritisch, gelb/rot). Stoßlüften (grün) bringt sie rasch herunter. Der Datenlogger erfasst diesen Verlauf und belegt, ob Lüften wirkt und wie oft gelüftet wurde. Dauerhaft über 60 % bedeutet Schimmelrisiko – die absolute Feuchte und der Taupunkt müssen dann genauer beurteilt werden.
Absolute Luftfeuchte
Die absolute Luftfeuchte gibt die tatsächliche Wassermenge in der Luft an, in Gramm Wasser pro Kubikmeter Luft (g/m³). Sie ist – anders als die relative Feuchte – nicht direkt temperaturabhängig. Bei 20 °C und 50 % r.F. enthält die Luft ca. 8,6 g/m³, bei 10 °C und 50 % r.F. nur ca. 4,7 g/m³. Die absolute Feuchte ist entscheidend, um zu beurteilen, ob ein Raum „feucht" ist und ob Lüften Feuchte abtransportiert.
Warum ist die absolute Feuchte entscheidend?
Die relative Feuchte allein kann täuschen: Kühlt ein Raum ab, steigt die relative Feuchte, ohne dass Wasser hinzukommt. Die absolute Feuchte zeigt den wahren Wassergehalt. Ist sie im Innenraum deutlich höher als außen, transportiert Lüften Feuchte ab. Ist sie ähnlich, bringt Lüften keine Verbesserung – dann liegt die Ursache nicht im Lüftungsverhalten, sondern baulich (Wärmebrücke, Undichtigkeit, aufsteigende Feuchte).
Diagramm: Absolute Luftfeuchte (g/m³) bei 50 % r.F. und unterschiedlicher Temperatur
Bei gleicher relativer Feuchte (50 %) enthält warme Luft deutlich mehr Wasser als kalte: ca. 2,4 g/m³ bei 0 °C, 4,7 g/m³ bei 10 °C, 8,6 g/m³ bei 20 °C, 11,5 g/m³ bei 25 °C. Deshalb transportiert Lüften im Winter Feuchte ab: die ausgeführte warme Raumluft (viel Wasser) wird durch kalte Außenluft (wenig Wasser) ersetzt. Die absolute Feuchte ist der Schlüssel zum Verständnis des Feuchthaushalts.
Taupunkt
Der Taupunkt (Taupunkttemperatur) ist die Temperatur, bei der die Luft bei 100 % relativer Feuchte mit Kondensation beginnt. Bei 20 °C und 60 % r.F. liegt der Taupunkt bei ca. 12 °C. Sinkt die Oberflächentemperatur einer Wand unter den Taupunkt, kondensiert Feuchtigkeit – Schimmelgefahr. Der Taupunkt wird aus Temperatur und relativer Feuchte berechnet (Magnus-Formel) oder direkt vom Datenlogger angezeigt.
Warum ist der Taupunkt der wichtigste Wert?
Weil Schimmel durch Kondensation entsteht: Sobald die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt sinkt, kondensiert Feuchtigkeit. Der Taupunkt verbindet Temperatur und Luftfeuchte zu einer einzigen kennzeichnenden Größe, die direkt mit der Oberflächentemperatur verglichen werden kann. Der Datenloggerverlauf des Taupunkts belegt, wann und wie lange Kondensation auftrat. Der fRsi-Wert (DIN EN ISO 13788) sollte über 0,7 liegen – darunter droht Kondensation.
Diagramm: Taupunkt in Abhängigkeit von Temperatur und relativer Luftfeuchte
Der Taupunkt steigt mit der Raumtemperatur und der relativen Luftfeuchte. Bei 20 °C und 60 % r.F. liegt er bei ca. 12 °C (gelb/orange). Sinkt die Oberflächentemperatur einer Außenwand unter diesen Wert, kondensiert Feuchtigkeit – Schimmel wächst. Bei 80 % r.F. (rot) liegt der Taupunkt deutlich höher, das Kondensationsrisiko ist groß. Die Kurve zeigt: je feuchter und wärmer die Raumluft, desto kritischer ist der Taupunkt.
CO₂
CO₂ (Kohlendioxid) entsteht bei der menschlichen Atmung. In Räumen steigt die CO₂-Konzentration mit Belegungsdauer und sinkendem Luftwechsel. Außenluft enthält ca. 400–450 ppm. Bis 1000 ppm gilt als gut, 1000–1500 ppm als noch akzeptabel, über 1500 ppm als schlecht, über 2000 ppm als unzumutbar. CO₂ ist der zuverlässigste Indikator für den Luftwechsel: hoher CO₂-Gehalt bedeutet unzureichendes Lüften – oft einhergehend mit zu hoher Luftfeuchte und Schimmelrisiko.
Wie misst man CO₂?
Mit NDIR-Sensoren (nichtdispersiver Infrarotsensor) in CO₂-Messgeräten oder modernen Raumklimastationen und Datenloggern. Gute Sensoren sind kalibriert. CO₂ wird meist parallel zu Temperatur, relativer Feuchte und Taupunkt aufgezeichnet – so lassen sich Luftwechsel und Lüftungsbedarf belegen. Ein hoher CO₂-Verlauf zeigt, dass der Luftwechsel zu gering ist.
Diagramm: CO₂-Verlauf über einen Tag (typisches Schlaf-/Wohnzimmer)
Nachts steigt CO₂ durch Atmung an, weil Fenster geschlossen ist (über 1500 ppm). Morgiges Lüften (grün) lässt CO₂ rasch auf Außenluftniveau fallen. Über den Tag steigt es mit Belegung wieder an. Dauerhaft über 1000 ppm bedeutet unzureichenden Luftwechsel – oft einhergehend mit zu hoher Luftfeuchte und Schimmelrisiko. Der CO₂-Verlauf ist ein zuverlässiger Indikator für das Lüftungsverhalten.
Messgeräte
Für eine zuverlässige Raumklimamessung kommen verschiedene Geräte zum Einsatz. Thermometer und Hygrometer erfassen Temperatur und relative Feuchte, Datenlogger zeichnen den Verlauf über Tage auf, die Infrarot-Thermografie misst Oberflächentemperaturen, CO₂-Sensoren die Luftqualität. Kalibrierung ist unerlässlich – nicht kalibrierte Geräte liefern falsche Werte und falsche Beurteilungen.
| Gerät | Messgröße | Beschreibung |
|---|---|---|
| Thermometer / Infrarot-Thermografie | Temperatur (Luft & Oberfläche) | Kalibrierte Thermometer, Infrarot-Kamera für Oberflächentemperaturen und Wärmebrücken. |
| Hygrometer | Relative Luftfeuchte | Kapazitive Sensoren (genauer als Haarhygrometer), kalibriert. |
| Datenlogger | Temperatur, r.F., Taupunkt (Verlauf) | Aufzeichnung über Tage/Wochen, automatische Taupunktberechnung. |
| CO₂-Sensor (NDIR) | CO₂-Konzentration | Nichtdispersiver Infrarotsensor, kalibriert, oft im Datenlogger integriert. |
| Oberflächenfeuchtemessgerät | Wandfeuchte | Kapazitiv/Widerstand – Feuchte in Bauteilen, zerstörungsfrei. |
| Blower-Door-Test | Luftwechsel (n50) | Luftdichtigkeit der Gebäudehülle, Leckagen (DIN EN 13829). |
Datenlogger
Ein Datenlogger ist das wichtigste Instrument der Raumklima- und Schimmelbegutachtung. Er zeichnet Temperatur, relative Feuchte (und ggf. CO₂, Taupunkt) in einstellbaren Intervallen über Tage bis Wochen auf und speichert die Daten. Ausgewertet werden Verlauf, Min/Max, Mittelwerte und Taupunkt. Der Datenlogger belegt den Verlauf über die Zeit – nicht nur eine Momentaufnahme. Lüftungsereignisse erscheinen als rascher Abfall der relativen Feuchte und des CO₂.
Wo platziert man den Datenlogger richtig?
In Raummitte, ca. 1,0–1,5 m Höhe, abseits von Fenster, Heizkörper, direkter Sonne und Feuchtquelle (Küche/Bad). An der schimmelgefährdeten Wand, aber mit Abstand (nicht direkt am Schimmel). In mehreren Räumen gleichzeitig, wenn verglichen werden soll. Falsche Platzierung führt zu falschen Werten und falscher Beurteilung.
Messdauer
Eine Momentaufnahme erfasst nur den aktuellen Zustand, der stark schwanken kann. Eine ausreichende Messdauer erfasst den Verlauf mit Tages-/Nachtrhythmus, Nutzung, Wetter und Lüftungsereignissen. Nur der Verlauf belegt, ob eine Situation dauerhaft kritisch ist. Die Messdauer wird im Gutachten begründet.
3–7 Tage
Erste Einschätzung
Orientierende Beurteilung, Erfassung eines Wochenendes mit üblicher Nutzung.
7–14 Tage
Gerichtsfest
Standard für vollumfängliche Gutachten, Tages-/Nachtrhythmus, verschiedene Wetterlagen.
> 14 Tage
Komplexe Fälle
Wiederkehrende Probleme, saisonale Schwankungen, Mehrfamilienhäuser.
Interpretation
Die Interpretation verknüpft alle Messgrößen: relative Feuchte (über 60 % kritisch), absolute Feuchte (über 10–11 g/m³ hoch), Taupunkt (im Vergleich zur Oberflächentemperatur), CO₂ (über 1000 ppm schlecht). Dauerhaft hohe Feuchte und hoher Taupunkt bei kalten Wänden deuten auf Kondensation. Ein rascher Abfall nach Lüften zeigt, dass Lüften wirkt. Die Kombination von Datenlogger und Infrarot-Thermografie sichert die Beurteilung.
| Größe | Kritischer Bereich | Bewertung |
|---|---|---|
| Relative Feuchte | > 60 % dauerhaft | Schimmelrisiko steigt, ab 70 % sehr kritisch. |
| Absolute Feuchte | > 10–11 g/m³ | Erhöhte Feuchtebelastung, oft unzureichendes Lüften. |
| Taupunkt | ≥ Oberflächentemperatur | Kondensation an der Wand – Schimmel wächst. |
| CO₂ | > 1000 ppm dauerhaft | Schlechte Luftqualität, unzureichender Luftwechsel. |
| fRsi-Wert | < 0,7 | Wärmebrücke mit Kondensationsgefahr (DIN EN ISO 13788). |
Schimmelkritisch
Schimmelkritisch ist das Raumklima, wenn die relative Feuchte dauerhaft über 60–70 % liegt und/oder der Taupunkt dauerhaft über der kältesten Oberflächentemperatur. Oft genügen schon wenige Stunden kritischer Feuchte pro Tag, um Schimmel wachsen zu lassen.
Checkliste: Raumklima richtig messen
Merksätze
„Das Raumklima misst man mit Temperatur, relativer und absoluter Luftfeuchte, Taupunkt und CO₂."
„Der Taupunkt ist der wichtigste Wert für die Schimmelbeurteilung – er wird mit der Oberflächentemperatur verglichen."
„Die absolute Feuchte zeigt den wahren Wassergehalt der Luft, unabhängig von Temperaturschwankungen."
„CO₂ ist der zuverlässigste Indikator für den Luftwechsel und das Lüftungsverhalten."
„Eine Momentaufnahme reicht nicht – aussagekräftig ist nur der Datenloggerverlauf über Tage."
„Kalibrierte Geräte und ausreichende Messdauer sind Voraussetzung für eine gerichtsfeste Beurteilung."
„Infrarot-Thermografie macht Wärmebrücken und kalte Oberflächen sichtbar."
„Ein vollumfängliches Gutachten nach DIN EN ISO/IEC 17024 sichert die Beweisführung."
Häufige Fragen zum Raumklima messen
Was bedeutet Raumklima messen?+
Raumklima messen bedeutet, die physikalischen Größen zu erfassen, die die Luftqualität und den Feuchtezustand eines Raumes bestimmen: Temperatur, relative Luftfeuchte, absolute Luftfeuchte, Taupunkt und CO₂-Konzentration. Mit geeigneten Messgeräten und Datenloggern werden diese Größen kontinuierlich aufgezeichnet, über eine ausreichende Messdauer ausgewertet und interpretiert. Ziel ist ein gesundes Raumklima (40–60 % r.F., 18–22 °C, CO₂ unter 1000 ppm) und die Erkennung von Schimmelrisiken durch Kondensation.
Warum sollte man das Raumklima messen?+
Das Raumklima messen sichert Gesundheit, Bausubstanz und Wohnqualität. Eine dauerhaft zu hohe Luftfeuchte (über 60 %) führt zu Kondensation an kalten Oberflächen und zu Schimmel. Ein zu hoher CO₂-Gehalt (über 1000 ppm) beeinträchtigt Konzentration und Wohlbefinden. Die Messung belegt die Ursachen, zeigt den Erfolg von Lüftungs- und Heizmaßnahmen und ist Grundlage jeder Schimmelbegutachtung. Ohne Messung bleibt das Raumklima eine Vermutung.
Was ist ein gesundes Raumklima?+
Ein gesundes Raumklima zeichnet sich durch 40–60 % relative Luftfeuchte und 18–22 °C Raumtemperatur aus. Der CO₂-Gehalt sollte unter 1000 ppm liegen. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit (über 60 %) steigt das Schimmelrisiko, bei zu niedriger (unter 30 %) trocknen die Schleimhäute aus. Der Taupunkt sollte deutlich unter der kältesten Oberflächentemperatur liegen. Der Datenlogger erfasst Temperatur, relative Feuchte und berechneten Taupunkt über Tage.
Welche Temperatur ist optimal für Wohnräume?+
Für Wohnräume gelten 18–22 °C als optimal: 20 °C im Wohn-/Kinderzimmer, 18 °C im Schlafzimmer, 22–24 °C im Badezimmer. Gleichmäßige Beheizung aller Räume (mind. 18 °C, auch bei Abwesenheit) verhindert, dass warmfeuchte Luft in kalte Räume strömt und dort kondensiert. Die Temperatur wird mit Thermometer, Infrarot-Thermografie oder Datenlogger gemessen.
Wie misst man die Raumtemperatur richtig?+
Die Raumtemperatur wird in Mitte des Raumes, ca. 1,0–1,5 m Höhe, gemessen – nicht direkt am Fenster, Heizkörper oder an der Außenwand. Lufttemperatur mit kalibriertem Thermometer/Datenlogger, Oberflächentemperatur mit Infrarot-Thermografie. Für Schimmelbegutachtung ist die Oberflächentemperatur der Außenwand entscheidend, weil nur sie mit dem Taupunkt verglichen wird.
Warum ist die Oberflächentemperatur wichtiger als die Lufttemperatur?+
Schimmel entsteht durch Kondensation, wenn die Oberflächentemperatur einer Wand unter den Taupunkt der Raumluft sinkt. Die Lufttemperatur allein sagt nichts über das Kondensationsrisiko aus. Eine Raumluft von 20 °C und 60 % r.F. ergibt einen Taupunkt von 12 °C – sinkt die Oberflächentemperatur einer Außenwand oder Ecke unter 12 °C, kondensiert Feuchtigkeit. Die Oberflächentemperatur wird mit der Infrarot-Thermografie gemessen.
Was ist die relative Luftfeuchte?+
Die relative Luftfeuchte (r.F.) gibt an, wie viel Wasser die Luft im Verhältnis zur maximal möglichen Menge bei der aktuellen Temperatur enthält – in Prozent. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte. 50 % r.F. bei 20 °C bedeutet: die Luft enthält die Hälfte der maximal möglichen Wassermenge. Die relative Feuchte ist temperaturabhängig: kühlt Luft ab, steigt die relative Feuchte (bei gleicher Wassermenge), bis bei 100 % der Taupunkt erreicht ist und Kondensation einsetzt.
Welche relative Luftfeuchte ist ideal?+
Ideal sind 40–60 % relative Luftfeuchte. Unter 30 % trocknen die Schleimhäute, über 60 % steigt das Schimmelrisiko, über 70 % ist es kritisch. Im Winter sollte wegen kalter Außenwände eher 40–50 % angestrebt werden, im Sommer 50–60 %. Die relative Feuchte wird mit Hygrometer oder Datenlogger gemessen.
Warum steigt die relative Luftfeuchte beim Lüften im Winter?+
Beim Lüften im Winter strömt kalte Außenluft (mit geringer absoluter Feuchte) in den Raum und erwärmt sich. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen – die relative Feuchte der einströmenden Luft sinkt zunächst, dann nimmt sie die Raumfeuchte (Atmung, Kochen) auf. Effektiv transportiert Lüften Feuchte nach außen ab, weil die ausgeführte warme Raumluft mehr Wasser enthält als die eingeführte kalte Außenluft. Die absolute Feuchte sinkt, die relative nach Lüften zunächst niedrig und steigt dann wieder an.
Wie misst man die relative Luftfeuchte?+
Mit einem Hygrometer (kapazitiv oder Haarhygrometer) oder einem Datenlogger mit integriertem Feuchtesensor. Kalibrierung ist wichtig (mindestens jährlich), weil Sensoren driften. Für Schimmelbegutachtung werden kalibrierte Datenlogger mit kapazitivem Sensor eingesetzt, die Temperatur und relative Feuchte über Tage aufzeichnen und den Taupunkt berechnen.
Was ist die absolute Luftfeuchte?+
Die absolute Luftfeuchte gibt die tatsächliche Wassermenge in der Luft an, in Gramm Wasser pro Kubikmeter Luft (g/m³). Sie ist – anders als die relative Feuchte – nicht direkt temperaturabhängig. 20 °C Luft mit 50 % r.F. enthält ca. 8,6 g/m³. Die absolute Feuchte ist entscheidend, um zu beurteilen, ob ein Raum „feucht" ist und ob Lüften Feuchte abtransportiert.
Was ist der Unterschied zwischen relativer und absoluter Luftfeuchte?+
Die relative Luftfeuchte (%) sagt, wie voll die Luft mit Wasser „gefüllt" ist (im Verhältnis zum Maximum bei aktueller Temperatur). Die absolute Luftfeuchte (g/m³) sagt, wie viel Wasser tatsächlich darin enthalten ist. Kühlt Luft ab, bleibt die absolute Feuchte gleich, aber die relative steigt – bis bei 100 % (Taupunkt) Kondensation einsetzt. Für die Schimmelbeurteilung ist die absolute Feuchte entscheidend, weil sie den tatsächlichen Wassergehalt zeigt, unabhängig von Temperaturschwankungen.
Wie berechnet man die absolute Luftfeuchte?+
Die absolute Luftfeuchte (g/m³) ergibt sich aus Temperatur und relativer Feuchte über den Sättigungsdampfdruck (Magnus-Formel). Bei 20 °C und 50 % r.F.: Sättigung ca. 17,3 g/m³ × 0,5 ≈ 8,6 g/m³. Bei 10 °C und 50 % r.F.: Sättigung ca. 9,4 g/m³ × 0,5 ≈ 4,7 g/m³. Datenlogger berechnen die absolute Feuchte automatisch aus Temperatur und relativer Feuchte.
Welche absolute Luftfeuchte ist kritisch?+
Eine absolute Luftfeuchte über 10–11 g/m³ im Wohnraum deutet auf erhöhte Feuchtebelastung hin (gegenüber ca. 7–8 g/m³ Außenluft im Winter). Ist die absolute Feuchte im Innenraum deutlich höher als außen, transportiert Lüften Feuchte ab. Ist sie ähnlich, bringt Lüften keine Verbesserung – dann liegt die Ursache nicht im Lüftungsverhalten. Die absolute Feuchte ist ein zentraler Indikator für die Schimmelbegutachtung.
Was ist der Taupunkt?+
Der Taupunkt (Taupunkttemperatur) ist die Temperatur, bei der die Luft bei 100 % relativer Feuchte mit Kondensation beginnt. Bei 20 °C und 60 % r.F. liegt der Taupunkt bei ca. 12 °C. Sinkt die Oberflächentemperatur einer Wand unter den Taupunkt, kondensiert Feuchtigkeit – Schimmelgefahr. Der Taupunkt wird aus Temperatur und relativer Feuchte berechnet (Magnus-Formel) oder direkt vom Datenlogger angezeigt.
Wie berechnet man den Taupunkt?+
Der Taupunkt wird aus Temperatur und relativer Feuchte über die Magnus-Formel berechnet: γ(T,φ) = ln(φ/100) + (17,62·T)/(243,12+T); Taupunkt = 243,12·γ/(17,62−γ). Datenlogger und Hygrometer berechnen den Taupunkt automatisch. Für die Schimmelbeurteilung wird der Taupunkt mit der Oberflächentemperatur (Infrarot-Thermografie) verglichen.
Warum ist der Taupunkt der wichtigste Wert für die Schimmelbeurteilung?+
Weil Schimmel durch Kondensation entsteht: Sobald die Oberflächentemperatur einer Wand oder Ecke unter den Taupunkt der Raumluft sinkt, kondensiert Feuchtigkeit – Schimmel wächst. Der Taupunkt verbindet Temperatur und Luftfeuchte zu einer einzigen kennzeichnenden Größe, die direkt mit der Oberflächentemperatur verglichen werden kann. Der Datenloggerverlauf des Taupunkts belegt, wann und wie lange Kondensation auftrat.
Was ist der fRsi-Wert?+
Der fRsi-Wert (Temperaturfaktor nach DIN EN ISO 13788) gibt an, wie weit die Oberflächentemperatur einer Wand unter der Raumlufttemperatur liegt. fRsi = (θsi − θe)/(θi − θe). Ein fRsi ≥ 0,7 bedeutet: die Oberfläche bleibt sicher über dem Taupunkt – kein Schimmelrisiko. Werte unter 0,7 deuten auf eine Wärmebrücke mit Kondensationsgefahr. Der fRsi-Wert wird aus Infrarot-Thermografie und Taupunkt berechnet.
Was ist CO₂ und warum ist es im Raum wichtig?+
CO₂ (Kohlendioxid) entsteht bei der menschlichen Atmung. In Räumen steigt die CO₂-Konzentration mit Belegungsdauer und sinkendem Luftwechsel. Ab 1000 ppm nimmt die Konzentration ab, ab 1500 ppm spüren viele Menschen Schleimhautreizung und Müdigkeit. CO₂ ist ein Indikator für die Luftqualität und den Luftwechsel – hoher CO₂-Gehalt bedeutet unzureichende Lüftung, oft einhergehend mit zu hoher Luftfeuchte und Schimmelrisiko.
Welche CO₂-Werte sind kritisch?+
Außenluft ca. 400–450 ppm. Bis 1000 ppm gilt als gut, 1000–1500 ppm als noch akzeptabel, über 1500 ppm als schlecht, über 2000 ppm als unzumutbar. In Klassenzimmären/Arbeitsstätten gelten strenge Grenzwerte. Im Wohnraum sollte der CO₂-Gehalt unter 1000 ppm liegen. CO₂ wird mit CO₂-Sensoren (NDIR) oder Datenloggern gemessen.
Wie misst man CO₂?+
Mit NDIR-Sensoren (nichtdispersiver Infrarotsensor), die in CO₂-Messgeräten und modernen Raumklimastationen/Datenloggern integriert sind. Gute Sensoren sind kalibriert (Teilung in ppm). CO₂ wird meist parallel zu Temperatur, relativer Feuchte und Taupunkt aufgezeichnet. So lassen sich Luftwechsel und Lüftungsbedarf belegen.
Was bedeutet ein hoher CO₂-Wert?+
Ein hoher CO₂-Wert bedeutet unzureichenden Luftwechsel: Die verbrauchte Luft wird nicht ausreichend ausgetauscht. Gleichzeitig steigt meist die absolute Luftfeuchte, weil beide Größen an den Luftwechsel gekoppelt sind. Hoher CO₂-Gehalt ist ein zuverlässiger Indikator für zu geringes Lüften – und damit oft für Schimmelrisiko. Die Ursache kann Nutzungsverhalten (Lüften) oder ein fehlendes Lüftungskonzept sein.
Welche Messgeräte braucht man für das Raumklima?+
Thermometer (Temperatur), Hygrometer (relative Feuchte), kombinierte Raumklimastationen/Datenlogger (Temperatur, r.F., Taupunkt, ggf. CO₂), Infrarot-Thermografiekamera (Oberflächentemperatur, Wärmebrücken), Oberflächenfeuchtemessgerät (Wandfeuchte), ggf. Blower-Door-Test (Luftwechsel). Für die Schimmelbegutachtung sind kalibrierte Datenlogger und Infrarot-Thermografie zentral.
Was ist ein Datenlogger?+
Ein Datenlogger ist ein elektronisches Messgerät, das Temperatur, relative Feuchte (und ggf. CO₂, Taupunkt) in einstellbaren Intervallen über Tage bis Wochen aufzeichnet und speichert. Die Daten werden ausgelesen und ausgewertet (Verlauf, Min/Max, Mittelwerte, Taupunkt). Datenlogger sind das wichtigste Instrument der Schimmelbegutachtung, weil sie den Verlauf über die Zeit belegen, nicht nur eine Momentaufnahme.
Was misst die Infrarot-Thermografie?+
Die Infrarot-Thermografie misst die Oberflächentemperatur von Wänden, Decken, Ecken, Fensterlaibungen – berührungslos und flächig. Sie macht Wärmebrücken, kalte Stellen und Undichtigkeiten sichtbar. In Kombination mit dem Taupunkt (Datenlogger) zeigt sie, wo Kondensation und Schimmel drohen. Sie ist ein zentrales Verfahren der Schimmel- und Bauphysik-Begutachtung.
Müssen Messgeräte kalibriert sein?+
Ja. Temperatur- und Feuchtesensoren driften mit der Zeit, CO₂-Sensoren müssen regelmäßig kalibriert werden. Ein nicht kalibriertes Gerät liefert falsche Werte und damit eine falsche Beurteilung. Für gerichtsfeste Gutachten sind kalibrierte, rückführbare Messgeräte erforderlich. Die Kalibrierung wird im Gutachten dokumentiert.
Wie lange misst ein Datenlogger?+
Eine aussagekräftige Datenloggermessung dauert in der Regel 7–14 Tage, bei komplexen Fällen länger. Kürzere Messungen erfassen nur Momentaufnahmen und sind nicht repräsentativ. Wichtig ist die Erfassung mindestens eines Wochenendes mit üblicher Nutzung, unterschiedlicher Wetterlage und Tages-/Nachtrhythmus. Die Messdauer wird im Gutachten begründet.
Wo platziert man den Datenlogger richtig?+
Mitte des Raumes, ca. 1,0–1,5 m Höhe, abseits von Fenster, Heizkörper, direkter Sonne, Feuchtquelle (Küche/Bad). An der schimmelgefährdeten Wand, aber mit Abstand (nicht direkt am Schimmel). In mehreren Räumen gleichzeitig, wenn verglichen werden soll. Falsche Platzierung führt zu falschen Werten und falscher Beurteilung.
Was zeigt der Datenloggerverlauf?+
Der Verlauf zeigt Schwankungen von Temperatur, relativer Feuchte, Taupunkt (und ggf. CO₂) über die Zeit. Lüftungsereignisse erscheinen als rascher Abfall der relativen Feuchte und des CO₂. Dauerhaft hohe Werte deuten auf unzureichendes Lüften. Ein Taupunkt über der Oberflächentemperatur bedeutet Kondensation. Der Verlauf belegt, ob Schimmel nutzungs- oder baulich bedingt ist.
Warum ist die Messdauer wichtig?+
Eine Momentaufnahme (eine Messung) erfasst nur den aktuellen Zustand, der stark schwanken kann. Eine ausreichende Messdauer (7–14 Tage) erfasst den Verlauf mit Tages-/Nachtrhythmus, Nutzung, Wetter und Lüftungsereignissen. Nur der Verlauf belegt, ob eine Situation dauerhaft kritisch ist oder nur temporär. Kürzere Messungen sind nicht gerichtsfest.
Was ist die minimale Messdauer?+
Für eine erste Einschätzung 3–7 Tage, für eine gerichtsfeste Beurteilung mindestens 7–14 Tage, besser länger. Die Messung sollte mindestens ein Wochenende mit üblicher Nutzung umfassen und unterschiedliche Außenbedingungen erfassen. Bei wiederkehrenden Problemen über Wochen messen. Die Wahl der Messdauer wird begründet.
Wie interpretiert man die Messwerte richtig?+
Die Interpretation verknüpft alle Größen: relative Feuchte (über 60 % kritisch), absolute Feuchte (über 10–11 g/m³ hoch), Taupunkt (im Vergleich zur Oberflächentemperatur), CO₂ (über 1000 ppm schlecht). Dauerhaft hohe Feuchte und hoher Taupunkt bei kalten Wänden deuten auf Kondensation. Ein rascher Abfall nach Lüften zeigt, dass Lüften wirkt. Die Kombination von Datenlogger und Infrarot-Thermografie sichert die Beurteilung.
Wann ist das Raumklima schimmelkritisch?+
Schimmelkritisch ist das Raumklima, wenn die relative Feuchte dauerhaft über 60–70 % liegt und/oder der Taupunkt dauerhaft über der kältesten Oberflächentemperatur. Der fRsi-Wert sollte über 0,7 liegen. Datenloggerverlauf und Infrarot-Thermografie belegen dies. Oft genügen bereits ein paar Stunden kritischer Feuchte pro Tag, um Schimmel wachsen zu lassen.
Kann ich das Raumklima selbst messen?+
Für eine erste Orientierung ja – mit einer Raumklimastation oder einem einfachen Datenlogger. Für eine gerichtsfeste Beurteilung (Miete, Versicherung, Kauf, Gericht) ist ein vollumfängliches Gutachten mit kalibrierten Geräten, ausreichender Messdauer und nachvollziehbarer Auswertung durch einen zertifizierten Sachverständigen (DIN EN ISO/IEC 17024) erforderlich. Eigenmessungen sind keine Beweise.
Zusammenfassung
Raumklima messen bedeutet, Temperatur, relative und absolute Luftfeuchte, Taupunkt und CO₂ mit kalibrierten Geräten über eine ausreichende Messdauer (7–14 Tage) zu erfassen und auszuwerten. Der Taupunkt ist die zentrale Größe der Schimmelbeurteilung – er wird mit der Oberflächentemperatur (Infrarot-Thermografie) verglichen. CO₂ ist der zuverlässigste Indikator für den Luftwechsel. Nur der Datenloggerverlauf belegt, ob eine Situation dauerhaft kritisch ist. Eine gerichtsfeste Beurteilung erfordert ein vollumfängliches, methodisch sauberes Gutachten eines zertifizierten Sachverständigen nach DIN EN ISO/IEC 17024.