Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und Kondensation einsetzt. Er ist eine zentrale Größe der Bauphysik und der Schimmelursachenanalyse: sinkt die Oberflächentemperatur einer Wand unter den Taupunkt der Raumluft, schlägt sich Feuchtigkeit nieder – Schimmel entsteht. Diese Fachseite erklärt die physikalischen Grundlagen, die Berechnung mit der Magnus-Formel, die Einflussfaktoren, die Rolle im Raumklima, den Zusammenhang mit Schimmel, die Messung und die Praxis der Taupunktanalyse. Mit Diagrammen, Praxisbeispielen und ausführlichen FAQs.
Physikalische Grundlagen
Luft kann Wasserdampf aufnehmen – aber nur bis zu einer bestimmten Menge, dem Sättigungsdampfdruck. Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Sinkt die Temperatur der Luft, verringert sich der Sättigungsdampfdruck. Ab einer bestimmten Temperatur – dem Taupunkt – ist die Luft gesättigt, überschüssiger Wasserdampf kondensiert. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der der aktuelle Dampfdruck gleich dem Sättigungsdampfdruck wird.
Relative Feuchte vs. Taupunkt
Die relative Feuchte beschreibt, wie weit die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist (Prozent der Sättigung). Der Taupunkt beschreibt die absolute Menge an Wasserdampf, ausgedrückt als Temperatur, bei der Kondensation einsetzt. Der Taupunkt ist temperaturunabhängig ein Maß für die absolute Feuchte. Zwei Räume gleicher relativer Feuchte können sehr unterschiedliche Taupunkte haben – je nach Temperatur.
Absolute Feuchte
Die absolute Feuchte ist die tatsächlich enthaltene Wasserdampfmenge der Luft in g/m³. Sie ist temperaturunabhängig. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die absolute Feuchte gerade dem Sättigungswert entspricht (100 % r.F.). Steigt die absolute Feuchte, steigt der Taupunkt. Bei gleicher absoluter Feuchte bleibt der Taupunkt konstant, auch wenn Temperatur und relative Feuchte sich ändern.
Diagramm: Taupunkt und Kondensation
Der Taupunkt der Raumluft (z. B. 12 °C) ist die Temperatur, ab der Kondensation einsetzt. Sinkt die Oberflächentemperatur der Wand (z. B. 8 °C) unter den Taupunkt, schlägt sich Feuchtigkeit nieder (Kondensat).
Berechnung
Der Taupunkt wird mit der Magnus-Formel aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet. Die Formel beschreibt den Zusammenhang zwischen Sättigungsdampfdruck und Temperatur. Moderne Datenlogger und Feuchtesensoren berechnen den Taupunkt automatisch. Für die Schimmelursachenanalyse ist die Berechnung zentral, da sie das Kondensationsrisiko quantifiziert. Die Berechnung folgt der DIN EN ISO 13788.
Magnus-Formel
Die Magnus-Formel ist eine Näherungsformel, die den Sättigungsdampfdruck in Abhängigkeit von der Temperatur beschreibt. Mit ihrer Hilfe wird der Taupunkt aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet. Die Formel lautet: Sättigungsdampfdruck in hPa = 6,1078 · exp(17,1·T/(235+T)). Daraus ergibt sich der Taupunkt nach Umstellung. Die Magnus-Formel ist für bauphysikalische Berechnungen ausreichend genau.
Taupunkt-Berechnung (vereinfacht):
- Sättigungsdampfdruck: ps(T) = 6,1078 · exp(17,1·T/(235+T))
- Aktueller Dampfdruck: p = r.F. · ps(T) / 100
- Taupunkt: Td = (235 · ln(p/6,1078)) / (17,1 − ln(p/6,1078))
Beispiel: T = 20 °C, r.F. = 60 % → Td ≈ 12 °C. Sinkt die Oberflächentemperatur unter 12 °C, kondensiert Feuchtigkeit.
Diagramm: Sättigungskurve und Taupunkt
Der Sättigungsdampfdruck steigt mit der Temperatur (rote Kurve). Der aktuelle Dampfdruck der Luft ist temperaturunabhängig (blaue Linie). Der Schnittpunkt beider Kurven ist der Taupunkt – hier wird die Luft gesättigt, Kondensation setzt ein.
Einflussfaktoren
Der Taupunkt wird durch die absolute Wasserdampfmenge in der Luft bestimmt. Steigt die absolute Feuchte (durch Atmen, Kochen, Duschen, Wäschetrocknen, Pflanzen oder Feuchtequellen wie Rohrbruch), steigt der Taupunkt. Die relative Feuchte allein bestimmt den Taupunkt nicht – Temperatur und Feuchte zusammen. Warme Luft mit gleicher absoluter Feuchte wie kalte Luft hat denselben Taupunkt, aber unterschiedliche relative Feuchte.
Feuchtebelastung
Atmen, Kochen, Duschen, Wäschetrocknen, Pflanzen erhöhen die absolute Feuchte und damit den Taupunkt.
Lüften
Stoßlüften ersetzt feuchte Innenluft durch trockenere Außenluft und senkt den Taupunkt rasch.
Feuchtequellen
Rohrbruch, aufsteigende Feuchte, Undichtigkeiten erhöhen die absolute Feuchte und den Taupunkt dauerhaft.
Temperatur
Temperatur allein ändert den Taupunkt nicht – er ist temperaturunabhängig ein Maß für die absolute Feuchte.
Lüften
Stoßlüften ersetzt feuchte Innenluft durch trockenere Außenluft. Die absolute Feuchte sinkt, damit sinkt der Taupunkt. Stoßlüften senkt die relative Feuchte und den Taupunkt rasch und effektiv. Der Taupunktverlauf des Datenloggers zeigt Lüftungsereignisse als plötzliche Abfälle der absoluten Feuchte. Fehlen solche Ereignisse, deutet das auf unzureichendes Lüften hin.
Raumklima
Im Raumklima ist der Taupunkt das Maß für die absolute Feuchte. Er entscheidet, ab welcher Oberflächentemperatur Kondensation auftritt und damit Schimmelgefahr. Raumklimatische Bedingungen (Lüften, Heizen, Feuchtequellen) verändern den Taupunkt. Eine angemessene relative Luftfeuchtigkeit (40–60 % r.F.) ist nur im Zusammenhang mit der Temperatur und damit dem Taupunkt zu beurteilen.
Gutes Raumklima
Ein gutes Raumklima zeichnet sich durch 18–20 °C (Schlafzimmer 16–18 °C) und 40–60 % relative Feuchte aus. Der Taupunkt liegt damit typischerweise zwischen 5 und 12 °C. Sinken Oberflächentemperaturen unter diesen Taupunkt, kommt es zu Kondensation. Der Datenloggerverlauf belegt, ob das Raumklima konstant in einem unkritischen Bereich liegt.
Schimmel
Schimmel entsteht, wenn Feuchtigkeit an Oberflächen kondensiert. Sinkt die Oberflächentemperatur einer Wand (z. B. an Wärmebrücken, hinter Möbeln) unter den Taupunkt der Raumluft, schlägt sich Feuchtigkeit nieder. Schimmelpilze wachsen bei Feuchte und moderaten Temperaturen. Der Taupunkt ist damit die zentrale Größe zur Beurteilung des Schimmelrisikos.
Ab welcher Oberflächentemperatur ist Schimmelgefahr?
Schimmelgefahr besteht, wenn die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt der Raumluft sinkt. Bei 20 °C und 60 % r.F. liegt der Taupunkt bei ca. 12 °C. Sinkt die Oberflächentemperatur unter 12 °C, kondensiert Feuchtigkeit. Die DIN 4108-2 fordert, dass die Oberflächentemperatur nicht zu weit unter die Innenlufttemperatur abfallen darf (fRsi > 0,72). Der Taupunkt ist das entscheidende Kriterium.
Baulich oder nutzungsbedingt?
Eine bauliche Wärmebrücke senkt die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt – bauliche Ursache. Unzureichendes Lüften erhöht die absolute Feuchte und damit den Taupunkt – Nutzungsursache. Die Abgrenzung erfolgt über Infrarot-Thermografie (Oberflächentemperatur), Datenlogger (Taupunktverlauf) und die Berechnung des fRsi-Werts. Ein vollumfängliches Gutachten belegt die Ursache nachvollziehbar.
Messung
Der Taupunkt wird nicht direkt gemessen, sondern aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet. Datenlogger erfassen beide Größen und berechnen den Taupunkt automatisch. Infrarot-Thermometer messen die Oberflächentemperatur, die mit dem Taupunkt verglichen wird. Die Infrarot-Thermografie macht Wärmebrücken und kalte Zonen sichtbar. Die Berechnung folgt der DIN EN ISO 13788.
Warum über mehrere Tage?
Eine einmalige Messung liefert nur eine Momentaufnahme, die von Tageszeit, Wetter, Lüften und Heizen abhängt. Der Taupunktverlauf über Tage zeigt, wie oft kritische Bedingungen herrschen, ob Lüften den Taupunkt senkt und ob Feuchtequellen (z. B. Rohrbruch) den Taupunkt dauerhaft erhöhen. Nur der Verlauf belegt das Nutzungsverhalten nachvollziehbar. Typisch sind 1–2 Wochen Messung.
Diagramm: Taupunktverlauf (Datenlogger)
Der Taupunktverlauf zeigt die absolute Feuchte über Zeit. Lüftungsereignisse senken den Taupunkt rasch (blauer Punkt). Kritische Phasen mit hohem Taupunkt (rote Zone) erhöhen das Kondensationsrisiko an kalten Oberflächen.
Praxisbeispiele
Schlafzimmer: niedrige Heizung, hoher Taupunkt
- Verlauf: Temperatur 14–16 °C, relative Feuchte über 70 %, Taupunkt ca. 10–11 °C.
- Oberfläche: Außenwandtemperatur 9 °C – unter dem Taupunkt, Kondensation.
- Urteil: Nutzungsbedingt: unzureichendes Heizen und Lüften.
Außenecke: geometrische Wärmebrücke
- Verlauf: Temperatur 20 °C, relative Feuchte 55 %, Taupunkt ca. 11 °C.
- Oberfläche: Oberflächentemperatur in der Ecke 8 °C – unter dem Taupunkt, Kondensation.
- Urteil: Baulich: geometrische Wärmebrücke senkt Oberflächentemperatur unter den Taupunkt.
Rohrbruch: dauerhaft hoher Taupunkt
- Verlauf: Temperatur 21 °C, relative Feuchte über 75 %, Taupunkt ca. 16–17 °C dauerhaft.
- Oberfläche: Oberflächentemperatur normal, aber Taupunkt überall hoch, Lüften senkt nur kurz.
- Urteil: Baulich: Feuchtequelle (Rohrbruch) hält Taupunkt dauerhaft hoch.
Gut gelüfteter Raum: unkritischer Taupunkt
- Verlauf: Temperatur 20 °C, relative Feuchte 50 %, Taupunkt ca. 9 °C.
- Oberfläche: Oberflächentemperaturen über 12 °C – über dem Taupunkt, keine Kondensation.
- Urteil: Unbedenklich: angemessenes Lüften und Heizen, intakte thermische Hülle.
Untersuchung in der Praxis
Die Taupunktanalyse umfasst: Infrarot-Thermografie (Oberflächentemperaturen, Wärmebrücken sichtbar machen), Oberflächentemperaturmessung, Datenlogger (Temperatur, r.F., Taupunktverlauf über Tage), Berechnung des fRsi-Werts und Zuordnung zu Befunden (Wärmebrücken, Feuchtequellen). Die Auswertung zeigt kritische Zeiträume mit Taupunktunterschreitung. Die Ergebnisse werden nachvollziehbar dokumentiert und in das Gutachten integriert.
Merksätze
„Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Kondensation einsetzt."
„Er wird aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet (Magnus-Formel)."
„Der Taupunkt ist ein temperaturunabhängiges Maß für die absolute Feuchte."
„Sinkt die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt, entsteht Kondensation – Schimmelgefahr."
„Stoßlüften senkt den Taupunkt rasch, indem trockene Außenluft die feuchte Innenluft ersetzt."
„Ein dauerhaft hoher Taupunkt deutet auf unzureichendes Lüften oder Feuchtequellen."
„Die Abgrenzung baulich vs. nutzungsbedingt erfordert Infrarot-Thermografie + Datenlogger."
„Nach DIN 4108-2 soll der fRsi-Wert über 0,72 liegen (Schimmelvermeidung)."
Häufige Fragen zum Taupunkt
Was ist der Taupunkt?+
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und Kondensation einsetzt. Sinkt die Temperatur einer Oberfläche unter den Taupunkt der umgebenden Luft, schlägt sich Feuchtigkeit nieder (Kondensat). Der Taupunkt ist eine zentrale Größe der Bauphysik und der Schimmelursachenanalyse. Er wird aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet.
Was ist der Sättigungsdampfdruck?+
Der Sättigungsdampfdruck ist der maximale Wasserdampfdruck, den Luft bei einer bestimmten Temperatur aufnehmen kann. Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Sinkt die Temperatur der Luft, verringert sich der Sättigungsdampfdruck, und ab dem Taupunkt überschüssiger Wasserdampf kondensiert. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der aktueller Dampfdruck gleich Sättigungsdampfdruck wird.
Was ist der Unterschied zwischen relativer Feuchte und Taupunkt?+
Die relative Feuchte beschreibt, wie weit die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist (Prozent der Sättigung). Der Taupunkt beschreibt die absolute Menge an Wasserdampf in der Luft, ausgedrückt als Temperatur, bei der Kondensation einsetzt. Der Taupunkt ist temperaturunabhängig ein Maß für die absolute Feuchte. Zwei Räume gleicher relativer Feuchte können sehr unterschiedliche Taupunkte haben – je nach Temperatur.
Was ist die absolute Feuchte?+
Die absolute Feuchte ist die tatsächlich enthaltene Wasserdampfmenge der Luft in g/m³. Sie ist temperaturunabhängig. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die absolute Feuchte gerade dem Sättigungswert entspricht (100 % r.F.). Steigt die absolute Feuchte, steigt der Taupunkt. Bei gleicher absoluter Feuchte bleibt der Taupunkt konstant, auch wenn Temperatur und relative Feuchte sich ändern.
Wie wird der Taupunkt berechnet?+
Der Taupunkt wird mit der Magnus-Formel aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet. Die Formel beschreibt den Zusammenhang zwischen Sättigungsdampfdruck und Temperatur. Moderne Datenlogger und Feuchtesensoren berechnen den Taupunkt automatisch. Für die Schimmelursachenanalyse ist die Berechnung zentral, da sie das Kondensationsrisiko quantifiziert. Die Berechnung folgt der DIN EN ISO 13788.
Was ist die Magnus-Formel?+
Die Magnus-Formel ist eine Näherungsformel, die den Sättigungsdampfdruck in Abhängigkeit von der Temperatur beschreibt. Mit ihrer Hilfe wird der Taupunkt aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet. Die Formel lautet: Sättigungsdampfdruck in hPa = 6,1078 · exp(17,1·T/(235+T)). Daraus ergibt sich der Taupunkt nach Umstellung. Die Magnus-Formel ist für bauphysikalische Berechnungen ausreichend genau.
Kann ich den Taupunkt mit einem Taschenrechner berechnen?+
Mit der Magnus-Formel und den Eingabewerten Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit lässt sich der Taupunkt mit einem Taschenrechner abschätzen. In der Praxis übernehmen Datenlogger und Sensoren die Berechnung automatisch. Für die nachvollziehbare Dokumentation im Gutachten werden die verwendete Formel, die Eingabewerte und das Ergebnis dokumentiert.
Welche Faktoren beeinflussen den Taupunkt?+
Der Taupunkt wird bestimmt durch die absolute Wasserdampfmenge in der Luft. Steigt die absolute Feuchte (durch Atmen, Kochen, Duschen, Wäschetrocknen, Pflanzen oder Feuchtequellen wie Rohrbruch), steigt der Taupunkt. Die relative Feuchte allein bestimmt den Taupunkt nicht – Temperatur und Feuchte zusammen. Warme Luft mit gleicher absoluter Feuchte wie kalte Luft hat denselben Taupunkt, aber unterschiedliche relative Feuchte.
Was bedeutet ein hoher Taupunkt?+
Ein hoher Taupunkt bedeutet, dass viel Wasserdampf in der Raumluft enthalten ist. Sinken Oberflächentemperaturen (z. B. an Wärmebrücken, Außenwänden, hinter Möbeln) unter diesen Taupunkt, kommt es zu Kondensation. Hohe Taupunkte deuten auf unzureichendes Lüften oder auf Feuchtequellen (z. B. Rohrbruch, aufsteigende Feuchte) hin. Der Taupunktverlauf hilft, die Ursache einzugrenzen.
Was bedeutet ein niedriger Taupunkt?+
Ein niedriger Taupunkt bedeutet, dass wenig Wasserdampf in der Raumluft enthalten ist. Kondensation ist unwahrscheinlich, auch bei kalten Oberflächen. Niedrige Taupunkte sind typisch für ausreichend gelüftete Räume und eine intakte thermische Hülle. Sehr niedrige Taupunkte können auf zu trockene Luft hinweisen (Gesundheitsaspekt, Schleimhaut).
Wie wirkt sich Lüften auf den Taupunkt aus?+
Stoßlüften ersetzt feuchte Innenluft durch trockenere Außenluft. Die absolute Feuchte sinkt, damit sinkt der Taupunkt. Stoßlüften senkt die relative Feuchte und den Taupunkt rasch und effektiv. Der Taupunktverlauf des Datenloggers zeigt Lüftungsereignisse als plötzliche Abfälle der absoluten Feuchte. Fehlen solche Ereignisse, deutet das auf unzureichendes Lüften hin.
Welche Rolle spielt der Taupunkt im Raumklima?+
Im Raumklima ist der Taupunkt das Maß für die absolute Feuchte. Er entscheidet, ab welcher Oberflächentemperatur Kondensation auftritt und damit Schimmelgefahr. Raumklimatische Bedingungen (Lüften, Heizen, Feuchtequellen) verändern den Taupunkt. Eine angemessene relative Luftfeuchtigkeit (40–60 % r.F.) ist nur im Zusammenhang mit der Temperatur und damit dem Taupunkt zu beurteilen.
Was ist ein gutes Raumklima?+
Ein gutes Raumklima zeichnet sich durch 18–20 °C (Schlafzimmer 16–18 °C) und 40–60 % relative Feuchte aus. Der Taupunkt liegt damit typischerweise zwischen 5 und 12 °C. Sinken Oberflächentemperaturen unter diesen Taupunkt, kommt es zu Kondensation. Der Datenloggerverlauf belegt, ob das Raumklima konstant in einem unkritischen Bereich liegt.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Taupunkt und Schimmel?+
Schimmel entsteht, wenn Feuchtigkeit an Oberflächen kondensiert. Sinkt die Oberflächentemperatur einer Wand (z. B. an Wärmebrücken, hinter Möbeln) unter den Taupunkt der Raumluft, schlägt sich Feuchtigkeit nieder. Schimmelpilze wachsen bei Feuchte und moderaten Temperaturen. Der Taupunkt ist damit die zentrale Größe zur Beurteilung des Schimmelrisikos.
Ab welcher Oberflächentemperatur ist Schimmelgefahr?+
Schimmelgefahr besteht, wenn die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt der Raumluft sinkt. Bei 20 °C und 60 % r.F. liegt der Taupunkt bei ca. 12 °C. Sinkt die Oberflächentemperatur unter 12 °C, kondensiert Feuchtigkeit. Die DIN 4108-2 fordert, dass die Oberflächentemperatur nicht zu weit unter die Innenlufttemperatur abfallen darf (fRsi > 0,72). Der Taupunkt ist das entscheidende Kriterium.
Ist Schimmel baulich oder nutzungsbedingt?+
Das ist die zentrale Frage der Ursachenanalyse. Eine bauliche Wärmebrücke senkt die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt – bauliche Ursache. Unzureichendes Lüften erhöht die absolute Feuchte und damit den Taupunkt – Nutzungsursache. Die Abgrenzung erfolgt über Infrarot-Thermografie (Oberflächentemperatur), Datenlogger (Taupunktverlauf) und die Berechnung des fRsi-Werts. Ein vollumfängliches Gutachten belegt die Ursache nachvollziehbar.
Wie wird der Taupunkt gemessen?+
Der Taupunkt wird nicht direkt gemessen, sondern aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet. Datenlogger erfassen beide Größen und berechnen den Taupunkt automatisch. Infrarot-Thermometer messen die Oberflächentemperatur, die mit dem Taupunkt verglichen wird. Die Infrarot-Thermografie macht Wärmebrücken und kalte Zonen sichtbar. Die Berechnung folgt der DIN EN ISO 13788.
Welche Geräte misst den Taupunkt?+
Datenlogger (Temperatur + r.F.) berechnen den Taupunkt automatisch. Hygrometer zeigen relative Feuchte, der Taupunkt muss berechnet werden. Infrarot-Thermometer messen Oberflächentemperaturen, die mit dem Taupunkt verglichen werden. Taupunktspiegel-Hygrometer messen den Taupunkt direkt, werden aber meist in Laboren eingesetzt. Für die Schimmelursachenanalyse sind Datenlogger das Standardinstrument.
Warum misst man den Taupunkt über mehrere Tage?+
Eine einmalige Messung liefert nur eine Momentaufnahme, die von Tageszeit, Wetter, Lüften und Heizen abhängt. Der Taupunktverlauf über Tage zeigt, wie oft kritische Bedingungen herrschen, ob Lüften den Taupunkt senkt und ob Feuchtequellen (z. B. Rohrbruch) den Taupunkt dauerhaft erhöhen. Nur der Verlauf belegt das Nutzungsverhalten nachvollziehbar. Typisch sind 1–2 Wochen Messung.
Wie läuft die Taupunktanalyse in der Praxis ab?+
Die Taupunktanalyse umfasst: Infrarot-Thermografie (Oberflächentemperaturen, Wärmebrücken sichtbar machen), Oberflächentemperaturmessung, Datenlogger (Temperatur, r.F., Taupunktverlauf über Tage), Berechnung des fRsi-Werts und Zuordnung zu Befunden (Wärmebrücken, Feuchtequellen). Die Auswertung zeigt kritische Zeiträume mit Taupunktunterschreitung. Die Ergebnisse werden nachvollziehbar dokumentiert und in das Gutachten integriert.
Welche Rolle spielt der Taupunkt beim Schimmelgutachten?+
Der Taupunkt ist eine der zentralen Größen des Schimmelgutachtens. Er entscheidet, ob und wann Kondensation auftritt und damit Schimmelgefahr besteht. Der Vergleich von Taupunkt und Oberflächentemperatur zeigt, ob bauliche Wärmebrücken oder raumklimatische Bedingungen (Lüften, Heizen, Feuchtequellen) ursächlich sind. Der Datenloggerverlauf des Taupunkts ist Grundlage der nachvollziehbaren Ursachenanalyse.
Was zeigt der Taupunktverlauf im Datenlogger?+
Der Taupunktverlauf zeigt die absolute Feuchte über die Zeit. Lüftungsereignisse senken den Taupunkt rasch (trockene Außenluft), Feuchtebelastungen (Kochen, Duschen) erhöhen ihn. Ein dauerhaft hoher Taupunkt deutet auf unzureichendes Lüften oder Feuchtequellen (z. B. Rohrbruch). Der Verlauf belegt das Nutzungsverhalten und kritische Zeiträume nachvollziehbar.
Was ist der kritische Taupunkt?+
Der kritische Taupunkt ist der Taupunkt, bei dem eine bestimmte Oberflächentemperatur erreicht wird und Kondensation einsetzt. In der Bauphysik wird der kritische Taupunkt in Abhängigkeit vom Taupunkt der Raumluft und der niedrigsten Oberflächentemperatur berechnet. Nach DIN 4108-2 soll der fRsi-Wert über 0,72 liegen, damit bei normaler Raumfeuchte keine Kondensation auftritt.
Was ist der Unterschied zwischen Taupunkt und Kondensationspunkt?+
Taupunkt und Kondensationspunkt sind synonym. Beide bezeichnen die Temperatur, bei der Kondensation einsetzt. Der Begriff Taupunkt ist der fachlich etablierte Begriff in Meteorologie und Bauphysik. Kondensationspunkt wird seltener verwendet, beschreibt aber dasselbe Phänomen.
Kann ich den Taupunkt selbst bestimmen?+
Mit einem Hygrometer (Temperatur + r.F.) und einer Online-Tabelle oder einem Taupunktrechner lässt sich der Taupunkt näherungsweise bestimmen. Für eine nachvollziehbare, gerichtsfeste Ursachenanalyse reicht das nicht aus – die fachgerechte Datenloggermessung, die Infrarot-Thermografie und die Auswertung erfordern Sachverstand. Die Zertifizierung nach DIN EN ISO/IEC 17024 stärkt das Gutachten.
Zusammenfassung
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und Kondensation einsetzt. Er wird mit der Magnus-Formel aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet und ist ein temperaturunabhängiges Maß für die absolute Feuchte. Sinkt die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt, entsteht Kondensation – Schimmelgefahr. Die Einflussfaktoren sind Feuchtebelastung, Lüften und Feuchtequellen. Die Messung erfolgt über Datenlogger und Infrarot-Thermografie, die Auswertung über den Taupunktverlauf und den Vergleich mit Oberflächentemperaturen. Die Abgrenzung baulich vs. nutzungsbedingt erfordert ein vollumfängliches, methodisch sauberes Gutachten eines zertifizierten Sachverständigen nach DIN EN ISO/IEC 17024.