Die absolute Luftfeuchte ist der wahre Wassergehalt der Luft – unabhängig von der Temperatur. Während die relative Feuchte zeigt, wie „voll" die Luft im Verhältnis zum Maximum ist, gibt die absolute Feuchte an, wie viel Wasser tatsächlich enthalten ist (in g/m³). Diese Fachseite erklärt Definition, Berechnung, den Unterschied zur relativen Feuchte, Praxis, Taupunkt und Schimmel – mit Diagrammen, Praxisfällen, Checklisten und ausführlichen FAQs.

Definition

Die absolute Luftfeuchte (AH) gibt an, wie viel Wasserdampf tatsächlich in einem Kubikmeter Luft enthalten ist – in Gramm pro Kubikmeter (g/m³). Bei 20 °C und 50 % r.F. sind das ca. 8,6 g/m³. Im Gegensatz zur relativen Feuchte ist die absolute Feuchte temperaturunabhängig: Sie zeigt den wahren Wassergehalt, unabhängig davon, ob die Luft warm oder kalt ist. Sie ist der Schlüssel zur Beurteilung, ob ein Raum „feucht" ist und ob Lüften Feuchte abtransportiert.

Einheit

Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter Luft (g/m³). Gelegentlich wird auch der Dampfdruck in Hektopascal (hPa) angegeben. In der bauphysikalischen Praxis ist g/m³ die übliche Einheit, weil sie das Verständnis erleichtert: 8,6 g/m³ bedeutet, in jedem Kubikmeter Raumluft befinden sich 8,6 Gramm Wasser.

Absolute vs. maximale Feuchte

Die maximale Luftfeuchte (Sättigungsfeuchte) ist die größte Wassermenge, die Luft bei einer bestimmten Temperatur aufnehmen kann – sie steigt exponentiell mit der Temperatur. Die absolute Feuchte ist die tatsächlich enthaltene Menge. Die relative Feuchte ist das Verhältnis beider in Prozent. Bei 20 °C sind maximal 17,3 g/m³ möglich; enthält die Luft 8,6 g/m³, liegt die relative Feuchte bei 50 %.

Diagramm: Sättigungskurve – maximale absolute Feuchte je Temperatur

Temperatur (°C)max. Wasser (g/m³)05101520250510152025Sättigung 100 %10 °C → 9,4 g/m³20 °C → 17,3 g/m³0 °C → 4,8 g/m³

Die Sättigungskurve (rot) zeigt, wie viel Wasser Luft maximal aufnehmen kann – exponentiell zur Temperatur. Bei 0 °C nur 4,8 g/m³, bei 10 °C 9,4 g/m³, bei 20 °C 17,3 g/m³, bei 25 °C 23 g/m³. Das erklärt, warum kalte Außenluft im Winter „trocken" ist: enthält sie nur 3 g/m³, dann erwärmt auf 20 °C, sinkt die relative Feuchte stark – die Luft kann Feuchte aus dem Raum aufnehmen.

Berechnung

Die absolute Feuchte ergibt sich aus Dampfdruck und Temperatur. Der Sättigungsdampfdruck folgt der Magnus-Formel, der Dampfdruck aus dem Produkt mit der relativen Feuchte.

Magnus-Formel (Sättigungsdampfdruck):

SDD(T) = 6,112 · exp(17,62 · T / (243,12 + T)) [hPa]

Dampfdruck aus relativer Feuchte:

DD = SDD(T) · φ / 100

Absolute Feuchte:

AH ≈ 216,7 · DD / (T + 273,15) [g/m³]

Beispielrechnung

Bei 20 °C und 50 % r.F.: SDD(20) ≈ 23,4 hPa, DD ≈ 11,7 hPa, AH ≈ 8,6 g/m³. Ein 50 m³ Wohnzimmer enthält damit ca. 430 Gramm Wasserdampf. Bei 20 °C und 100 % r.F. (Sättigung) wären es 17,3 g/m³, also 865 Gramm im ganzen Raum. Die Differenz ist die Reserve, die Luft noch aufnehmen kann, bevor Kondensation eintritt. Datenlogger berechnen die absolute Feuchte automatisch.

Unterschied zur relativen Luftfeuchte

Die absolute Feuchte (g/m³) sagt, wie viel Wasser tatsächlich in der Luft ist – temperaturunabhängig. Die relative Feuchte (%) sagt, wie „voll" die Luft im Verhältnis zum Maximum bei der aktuellen Temperatur ist – temperaturabhängig. Bei gleicher absoluter Feuchte steigt die relative Feuchte, wenn die Luft kühlt, und sinkt, wenn die Luft wärmer wird.

AspektAbsolute FeuchteRelative Feuchte
AussageWie viel Wasser ist tatsächlich in der LuftWie „voll" ist die Luft im Verhältnis zum Maximum
EinheitGramm pro Kubikmeter (g/m³)Prozent (%)
Temperaturabhängigkeitnein – temperaturunabhängigja – temperaturabhängig
Was zeigt sie?wahren Wassergehalt / LüftungserfolgKondensationsrisiko
Beispiel 20 °C / 50 %8,6 g/m³50 %
Bei Abkühlung auf 10 °Cbleibt gleich (8,6 g/m³)steigt auf ca. 80 %

Diagramm: Gleiche absolute Feuchte, verschiedene relative Feuchte je Temperatur

Temperatur (°C)Wassermenge / r.F.absolut: 8,6 g/m³ (konstant)relativ (steigt)100 %Taupunkt ≈ 9 °C0510152025

Bei gleicher absoluter Feuchte (blau, konstant 8,6 g/m³) steigt die relative Feuchte, wenn die Luft kühlt (rot). Bei 20 °C liegt die relative Feuchte bei 50 %, bei 10 °C schon bei ca. 80 %, bei 9 °C (Taupunkt) bei 100 % – Kondensation beginnt. Die absolute Feuchte bleibt unverändert, das Schimmelrisiko steigt trotzdem.

Warum reicht die relative Feuchte allein nicht?

Weil die relative Feuchte temperaturabhängig ist. 60 % r.F. bei 20 °C bedeuten ein anderes Wasserniveau als 60 % bei 10 °C. Um zu beurteilen, ob ein Raum „feucht" ist und ob Lüften Feuchte abtransportiert, braucht man die absolute Feuchte. Nur sie zeigt, wie viel Wasser tatsächlich in der Luft ist. Die absolute Feuchte ist das Maß für den Lüftungserfolg: Sinkt sie beim Lüften, wird Feuchte abgeführt.

Praxis

Die Messung erfolgt mit kalibriertem Datenlogger, der Temperatur und relative Feuchte misst und die absolute Feuchte automatisch berechnet. Messung in Raummitte, 1,0–1,5 m Höhe, über mindestens 7–14 Tage. Im Wohnraum liegen die absoluten Feuchten typischerweise zwischen 6 und 12 g/m³. Dauerhaft über 12 g/m³ ist ein Hinweis auf unzureichenden Luftwechsel. Die Praxis zeigt vier typische Fälle.

Feuchtequellen im Haushalt

Ein 4-Personen-Haushalt gibt täglich 8–12 Liter Wasser an die Luft ab. Ohne ausreichenden Luftwechsel steigt die absolute Feuchte dauerhaft – Schimmel droht.

FeuchtequelleWassermenge
Atmung & Haut (4 Pers.)4–6 l/Tag
Duschen / Baden0,5–1 l
Kochen0,5–1 l
Wäschetrocknen (im Raum)1–2 l
Zimmerpflanzen0,3–0,5 l
Gesamt 4-Personen-Haushalt8–12 l/Tag

Warum senkt Lüften die absolute Feuchte im Winter?

Weil die warme, feuchte Innenluft durch kalte, trockenere Außenluft ersetzt wird. Kalte Außenluft enthält wenig Wasser (bei 0 °C und 80 % r.F. nur ca. 3,9 g/m³). Wird diese Luft im Raum auf 20 °C erwärmt, sinkt ihre relative Feuchte stark – die Luft ist „trocken" und kann Feuchte aus dem Raum aufnehmen. Beim nächsten Lüften wird diese angereicherte Feuchte wieder abgeführt. So senkt Lüften die absolute Feuchte im Raum.

Diagramm: Stoßlüften senkt die absolute Feuchte

Zeitabs. Feuchte (g/m³)03691215Stoßlüften~10 → 3 g/m³Feuchtequellen heizen anfrische Außenluft

Im Verlauf steigt die absolute Feuchte durch Feuchtequellen (Atmung, Kochen) stetig an (links). Beim Stoßlüften wird die feuchte Innenluft (z. B. 10 g/m³) durch trockenere Außenluft (z. B. 3 g/m³) ersetzt – die absolute Feuchte springt nach unten (grüner Pfeil). Anschließend steigt sie durch die Feuchtequellen wieder an. Regelmäßiges Stoßlüften hält die absolute Feuchte dauerhaft niedrig.

Feuchtraum dauerhaft über 12 g/m³

  • Ursache: Unzureichender Luftwechsel, hohe Feuchtebelastung
  • Befund: absolute Feuchte dauerhaft 12–14 g/m³, Taupunkt 14–15 °C, Außenwand 11 °C → Kondensation.
  • Maßnahme: 3–4× stoßlüften, gleichmäßig heizen, Feuchtequellen reduzieren, Datenlogger-Kontrolle.

Schimmel trotz „normaler" relativer Feuchte

  • Ursache: Kalte Außenwand (Wärmebrücke) bei 55 % r.F.
  • Befund: absolut 10 g/m³, Raum 20 °C, Außenwand 11 °C → r.F. an der Wand ~95 %, Schimmel.
  • Maßnahme: Infrarot-Thermografie, Dämmung der Wärmebrücke, Lüftungsverhalten anpassen.

Trockene Winterluft im Vergleich

  • Ursache: Kalte Außenluft mit wenig Wasser wird erwärmt
  • Befund: Außen 0 °C / 80 % r.F. = 3,9 g/m³ absolut; erwärmt auf 20 °C → 22 % r.F. im Raum.
  • Maßnahme: Nicht überheizen, Feuchtequellen (Atmung, Pflanzen) füllen die Luft wieder auf.

Lüften bringt nichts?

  • Ursache: Kipp-Lüften, Luftaustausch zu gering
  • Befund: absolute Feuchte beim „Lüften" kaum gesunken, Wände kühlen aus.
  • Maßnahme: Stoßlüften statt Kipp-Lüften, Datenlogger kontrolliert die absolute Feuchte – sie muss sichtbar sinken.

Taupunkt

Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die relative Feuchte 100 % erreicht und Kondensation einsetzt. Er hängt von der absoluten Feuchte ab: Je mehr Wasser die Luft enthält, desto höher liegt der Taupunkt. Bei 20 °C und 50 % r.F. (8,6 g/m³) liegt der Taupunkt bei ca. 9 °C; bei 80 % r.F. (13,8 g/m³) schon bei 16 °C. Sinkt eine Wandfläche unter den Taupunkt, kondensiert Wasser – Schimmel droht.

Diagramm: Absolute Feuchte bestimmt den Taupunkt

absolute Feuchte (g/m³)Taupunkt (°C)0510152025048121620τ = 10 °C8,6 g/m³ → τ 9 °C13 g/m³ → τ 14 °C

Je höher die absolute Feuchte, desto höher der Taupunkt. Bei 8,6 g/m³ liegt der Taupunkt bei ca. 9 °C (niedriges Schimmelrisiko), bei 13 g/m³ schon bei 14 °C (hohes Schimmelrisiko an kalten Wänden). Die absolute Feuchte ist also der Maßstab, um zu beurteilen, wie schnell Kondensation droht: eine Senkung der absoluten Feuchte senkt den Taupunkt und damit das Schimmelrisiko.

Berechnung des Taupunkts

Aus Temperatur T (°C) und relativer Feuchte φ (%) ergibt sich der Taupunkt τ über: γ = ln(φ/100) + 17,62·T / (243,12 + T); τ = 243,12·γ / (17,62 − γ). Beispiel: 20 °C und 60 % r.F. → τ ≈ 12 °C. Datenlogger zeigen den Taupunkt direkt an. Für die Schimmelbeurteilung wird der Taupunkt mit der Oberflächentemperatur (Infrarot-Thermografie) verglichen.

Schimmel

Schimmel entsteht nicht ab einer bestimmten absoluten Feuchte, sondern wenn die relative Feuchte an einer Oberfläche dauerhaft über 70 % liegt. Maßgeblich ist der Taupunkt (der aus der absoluten Feuchte folgt) im Vergleich zur Oberflächentemperatur: Sinkt die Wand unter den Taupunkt, kondensiert Wasser, Schimmel wächst. Hohe absolute Feuchte bedeutet hohen Taupunkt und damit hohes Schimmelrisiko an kalten Flächen.

Schimmel trotz „normaler" Raumluft

Eine Raumluft von 20 °C und 55 % r.F. (10 g/m³ absolut) ergibt an einer Außenwand von 11 °C fast 100 % r.F. – Schimmel wächst. Der Taupunkt liegt bei 12 °C, die Wand ist kälter. Erst der Vergleich von Taupunkt (aus absoluter/relativer Feuchte und Temperatur) mit der Oberflächentemperatur zeigt die wahre Schimmelgefahr. Der fRsi-Wert (DIN EN ISO 13788) sollte über 0,7 liegen – darunter droht Kondensation.

Absolute Feuchte senken

Häufig und konsequent stoßlüften (3–4× tägl. 5–10 Min., Fenster weit offen, Durchzug), nicht dauerhaft auf Kipp. Nach Feuchtebelastung (Kochen, Duschen) sofort lüften. Gleichmäßig heizen (mind. 18 °C). Feuchtequellen vermeiden. Den Verlauf mit Datenlogger kontrollieren – die absolute Feuchte sollte beim Lüften sichtbar sinken und dauerhaft unter 12 g/m³ bleiben.

Checkliste: Absolute Luftfeuchte richtig messen

Kalibrierten Datenlogger einsetzen (misst T + r.F., berechnet absoluten Wert)
Messung in Raummitte, 1,0–1,5 m Höhe
Messdauer mindestens 7–14 Tage
Ziel: absolute Feuchte dauerhaft unter 12 g/m³
Lüftungserfolg kontrollieren: absoluter Wert muss beim Lüften sinken
Oberflächentemperatur (Infrarot-Thermografie) erfassen
Taupunkt mit Oberflächentemperatur vergleichen
Relative Feuchte zusätzlich protokollieren (Ziel 40–60 %)
Feuchtequellen identifizieren und reduzieren
Verlauf auswerten, nicht nur Momentaufnahme

Merksätze

„Die absolute Luftfeuchte ist der wahre Wassergehalt der Luft – in Gramm pro Kubikmeter."

„Sie ist temperaturunabhängig, während die relative Feuchte temperaturabhängig ist."

„Bei 20 °C und 50 % r.F. sind es ca. 8,6 g/m³."

„Im Wohnraum liegen die absoluten Feuchten typischerweise zwischen 6 und 12 g/m³."

„Stoßlüften senkt die absolute Feuchte – kalte Außenluft enthält wenig Wasser."

„Hohe absolute Feuchte bedeutet hoher Taupunkt und damit hohes Schimmelrisiko."

„Die absolute Feuchte zeigt den Lüftungserfolg – sinkt sie, wird Feuchte abgeführt."

„Für gerichtsfeste Beweise ist ein vollumfängliches Gutachten nach DIN EN ISO/IEC 17024 erforderlich."

Häufige Fragen zur absoluten Luftfeuchte

Was ist die absolute Luftfeuchte?+

Die absolute Luftfeuchte (AH) gibt an, wie viel Wasserdampf tatsächlich in einem Kubikmeter Luft enthalten ist – in Gramm pro Kubikmeter (g/m³). Bei 20 °C und 50 % r.F. sind das ca. 8,6 g/m³. Im Gegensatz zur relativen Feuchte ist die absolute Feuchte temperaturunabhängig: Sie zeigt den wahren Wassergehalt der Luft, unabhängig davon, ob die Luft warm oder kalt ist. Sie ist der Schlüssel zur Beurteilung, ob ein Raum „feucht" ist und ob Lüften Feuchte abtransportiert.

Was ist die Einheit der absoluten Luftfeuchte?+

Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter Luft (g/m³). Gelegentlich wird auch der Dampfdruck in Hektopascal (hPa) angegeben. Beide beschreiben dieselbe physikalische Größe. In der bauphysikalischen Praxis ist g/m³ die übliche Einheit, weil sie das Verständnis erleichtert: 8,6 g/m³ bedeutet, in jedem Kubikmeter Raumluft befinden sich 8,6 Gramm Wasser.

Was ist der Unterschied zwischen absoluter und maximaler Luftfeuchte?+

Die maximale Luftfeuchte (Sättigungsfeuchte) ist die größte Wassermenge, die Luft bei einer bestimmten Temperatur aufnehmen kann – sie steigt exponentiell mit der Temperatur (Magnus-Formel). Die absolute Feuchte ist die tatsächlich enthaltene Menge. Die relative Feuchte ist das Verhältnis beider in Prozent. Beispiel: Bei 20 °C sind maximal 17,3 g/m³ möglich; enthält die Luft 8,6 g/m³, liegt die relative Feuchte bei 50 %.

Wie berechnet man die absolute Luftfeuchte?+

Die absolute Feuchte ergibt sich aus Dampfdruck und Temperatur: AH ≈ 216,7 · DD / (T + 273,15) [g/m³], mit DD = SDD(T) · φ/100. Der Sättigungsdampfdruck folgt der Magnus-Formel: SDD(T) = 6,112 · exp(17,62·T / (243,12 + T)) [hPa]. Beispiel: 20 °C und 50 % r.F. → SDD ≈ 23,4 hPa, DD ≈ 11,7 hPa, AH ≈ 8,6 g/m³. Datenlogger berechnen die absolute Feuchte automatisch aus gemessener Temperatur und relativer Feuchte.

Wie viel Wasser enthält Luft bei 20 °C und 50 % relativer Feuchte?+

Etwa 8,6 g/m³. Das bedeutet: In jedem Kubikmeter Raumluft befinden sich 8,6 Gramm Wasser als Dampf. Ein 50 m³ Wohnzimmer enthält damit ca. 430 Gramm Wasserdampf. Bei 20 °C und 100 % r.F. (Sättigung) wären es 17,3 g/m³, also 865 Gramm im ganzen Raum. Die Differenz ist die Reserve, die Luft noch aufnehmen kann, bevor Kondensation eintritt.

Was ist die Magnus-Formel?+

Die Magnus-Formel beschreibt den Sättigungsdampfdruck über Wasser in Abhängigkeit von der Temperatur: SDD(T) = 6,112 · exp(17,62·T / (243,12 + T)) [hPa]. Sie ist die Grundlage zur Berechnung von Taupunkt und absoluter Feuchte aus Temperatur und relativer Feuchte. Datenlogger und Hygrometer wenden sie intern an. Für die bauphysikalische Beurteilung ist sie die etablierte Näherung.

Was ist der Unterschied zwischen absoluter und relativer Luftfeuchte?+

Die absolute Feuchte (g/m³) sagt, wie viel Wasser tatsächlich in der Luft ist – temperaturunabhängig. Die relative Feuchte (%) sagt, wie „voll" die Luft im Verhältnis zum Maximum bei der aktuellen Temperatur ist – temperaturabhängig. Bei 20 °C und 50 % r.F. sind es 8,6 g/m³. Kühlt die Luft auf 10 °C ab, bleibt die absolute Feuchte gleich (8,6 g/m³), aber die relative steigt auf über 80 %. Die relative Feuchte zeigt das Kondensationsrisiko, die absolute den wahren Wassergehalt.

Warum reicht die relative Feuchte allein nicht aus?+

Weil die relative Feuchte temperaturabhängig ist. 60 % r.F. bei 20 °C bedeuten ein anderes Wasserniveau als 60 % bei 10 °C. Um zu beurteilen, ob ein Raum „feucht" ist und ob Lüften Feuchte abtransportiert, braucht man die absolute Feuchte. Nur sie zeigt, wie viel Wasser tatsächlich in der Luft ist. Die absolute Feuchte ist das Maß für den Lüftungserfolg: Sinkt sie beim Lüften, wird Feuchte abgeführt.

Wie ändert sich die relative Feuchte bei gleicher absoluter Feuchte?+

Bei gleicher absoluter Feuchte steigt die relative Feuchte, wenn die Luft kühlt, und sinkt, wenn die Luft wärmer wird. Beispiel: 8,6 g/m³ bei 20 °C → 50 % r.F.; bei 10 °C → ca. 80 % r.F.; bei 9 °C → ca. 100 % r.F. (Taupunkt, Kondensation). Das bedeutet: Die gleiche Wassermenge kann in einem Raum „ungefährlich" oder „schimmelkritisch" sein – je nach Temperatur der kältesten Oberfläche.

Was zeigt die absolute Feuchte, was die relative nicht zeigt?+

Die absolute Feuchte zeigt den wahren Wassergehalt – ob ein Raum tatsächlich feucht ist und ob Lüften wirkt. Die relative Feuchte allein kann täuschen: 60 % in einem kalten Raum enthalten viel weniger Wasser als 60 % in einem warmen Raum. Erst die absolute Feuchte macht den Vergleich von Räumen unterschiedlicher Temperatur möglich und belegt, ob Lüften Feuchte abführt (absolute Feuchte sinkt) oder nicht.

Wie messe ich die absolute Luftfeuchte?+

Mit kalibriertem Datenlogger, der Temperatur und relative Feuchte misst und die absolute Feuchte automatisch berechnet. Messung in Raummitte, 1,0–1,5 m Höhe, über mindestens 7–14 Tage. Für die Schimmelbeurteilung zusätzlich die Oberflächentemperatur (Infrarot-Thermografie). Wichtig ist kalibrierte, rückführbare Messtechnik – nicht kalibrierte Geräte liefern falsche Werte. Für gerichtsfeste Beweise ist ein vollumfängliches Gutachten erforderlich.

Welche absolute Feuchte ist normal?+

Im Wohnraum liegen die absoluten Feuchten typischerweise zwischen 6 und 12 g/m³. Im Sommer sind höhere Werte (bis 12 g/m³) möglich, weil die Außenluft feuchter ist. Im Winter sind niedrigere Werte (6–8 g/m³) üblich, weil kalte Außenluft weniger Wasser enthält. Dauerhaft über 12 g/m³ ist ein Hinweis auf unzureichenden Luftwechsel und Feuchtebelastung. Entscheidend ist der Verlauf, nicht die Momentaufnahme.

Warum sinkt die absolute Feuchte beim Lüften im Winter?+

Weil die warme, feuchte Innenluft durch kalte, trockenere Außenluft ersetzt wird. Kalte Außenluft enthält wenig Wasser (bei 0 °C und 80 % r.F. nur ca. 3,9 g/m³). Wird diese Luft im Raum auf 20 °C erwärmt, sinkt ihre relative Feuchte stark – die Luft ist „trocken" und kann Feuchte aus dem Raum aufnehmen. Beim nächsten Lüften wird diese angereicherte Feuchte wieder abgeführt. So senkt Lüften die absolute Feuchte im Raum.

Wieviel Feuchte wird beim Stoßlüften abgeführt?+

Bei einem 50 m³ Raum mit 10 g/m³ absoluter Feuchte und Außenluft von 3 g/m³ werden beim einmaligen vollständigen Luftaustausch ca. 350 Gramm Wasser ausgetauscht (7 g/m³ × 50 m³). Mehrmaliges Stoßlüften am Tag kann so 1–2 Liter Wasser aus der Raumluft abführen – ein wirksamer Schutz gegen Schimmel. Kipp-Lüften erreicht das nicht, weil der Luftaustausch zu gering ist und die Wand auskühlt.

Was ist der Taupunkt?+

Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die relative Feuchte 100 % erreicht und Kondensation einsetzt. Er hängt von der absoluten Feuchte ab: Je mehr Wasser die Luft enthält, desto höher liegt der Taupunkt. Bei 20 °C und 50 % r.F. (8,6 g/m³) liegt der Taupunkt bei ca. 9 °C; bei 80 % r.F. (13,8 g/m³) schon bei 16 °C. Sinkt eine Wandfläche unter den Taupunkt, kondensiert Wasser – Schimmel droht.

Wie hängen absolute Feuchte und Taupunkt zusammen?+

Der Taupunkt ist direkt mit der absoluten Feuchte verknüpft: Je mehr Wasser die Luft enthält, desto höher liegt der Taupunkt. Doppelte absolute Feuchte bedeutet einen deutlich höheren Taupunkt – und damit eine geringere Temperaturschwankung, die Kondensation auslöst. Der Taupunkt ist das entscheidende Maß, um das Schimmelrisiko zu beurteilen: Ist er höher als die kälteste Oberflächentemperatur, kondensiert Feuchtigkeit.

Wie berechnet man den Taupunkt?+

Aus Temperatur T (°C) und relativer Feuchte φ (%) ergibt sich der Taupunkt τ über: γ = ln(φ/100) + 17,62·T / (243,12 + T); τ = 243,12·γ / (17,62 − γ). Beispiel: 20 °C und 60 % r.F. → τ ≈ 12 °C. Datenlogger zeigen den Taupunkt direkt an. Für die Schimmelbeurteilung wird der Taupunkt mit der Oberflächentemperatur (Infrarot-Thermografie) verglichen.

Ab welcher absoluten Feuchte entsteht Schimmel?+

Schimmel entsteht nicht ab einer bestimmten absoluten Feuchte, sondern wenn die relative Feuchte an einer Oberfläche dauerhaft über 70 % liegt. Maßgeblich ist der Taupunkt (der aus der absoluten Feuchte folgt) im Vergleich zur Oberflächentemperatur: Sinkt die Wand unter den Taupunkt, kondensiert Wasser, Schimmel wächst. Hohe absolute Feuchte bedeutet hohen Taupunkt und damit hohes Schimmelrisiko an kalten Flächen.

Warum entsteht Schimmel an kalten Wänden trotz „normaler" Raumluft?+

Weil die relative Feuchte an der kälteren Wandfläche höher ist als in der Raummitte. Eine Raumluft von 20 °C und 55 % r.F. (10 g/m³ absolut) ergibt an einer Außenwand von 11 °C fast 100 % r.F. – Schimmel wächst. Der Taupunkt liegt bei 12 °C, die Wand ist kälter. Erst der Vergleich von Taupunkt (aus absoluter/relativer Feuchte und Temperatur) mit der Oberflächentemperatur zeigt die wahre Schimmelgefahr.

Wie senkt man die absolute Feuchte, um Schimmel zu vermeiden?+

Häufig und konsequent stoßlüften (3–4× tägl. 5–10 Min., Fenster weit offen, Durchzug), nicht dauerhaft auf Kipp. Nach Feuchtebelastung (Kochen, Duschen) sofort lüften. Gleichmäßig heizen (mind. 18 °C). Feuchtequellen vermeiden (Wäsche im Raum trocknen, zu viele Pflanzen). Den Verlauf mit Datenlogger kontrollieren – die absolute Feuchte sollte beim Lüften sichtbar sinken und dauerhaft unter 12 g/m³ bleiben.

Zusammenfassung

Die absolute Luftfeuchte ist der wahre Wassergehalt der Luft in g/m³ – temperaturunabhängig, im Gegensatz zur relativen Feuchte. Sie berechnet sich über die Magnus-Formel aus Temperatur und relativer Feuchte und bestimmt den Taupunkt. Hohe absolute Feuchte bedeutet hoher Taupunkt und damit hohes Schimmelrisiko an kalten Flächen. Stoßlüften senkt die absolute Feuchte, weil feuchte Innenluft gegen trockene Außenluft getauscht wird. Eine gerichtsfeste Beurteilung erfordert ein vollumfängliches Gutachten eines zertifizierten Sachverständigen nach DIN EN ISO/IEC 17024.

Sachverständigenkanzlei Torben Affelski – zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024 · Rhein-Erft-Kreis, Köln & ganz Deutschland.